Imaginationsarbeit und innere Bilder – neue Möglichkeiten erfahrbar machen

Manches lässt sich sehr genau erklären und bleibt innerlich trotzdem schwer erreichbar. Wir können verstehen, warum wir in einer bestimmten Situation reagieren, wie wir reagieren, und dennoch fehlt der Zugang zu dem, was sich darunter bewegt. Innere Bilder eröffnen hier einen anderen Weg.

Bilder können Gefühle, Erinnerungen, Bedürfnisse, innere Konflikte und Ressourcen in einer Form ausdrücken, für die zunächst keine passenden Worte zur Verfügung stehen.

Eine Landschaft, eine Farbe, eine Gestalt, eine Bewegung oder eine spontan auftauchende Szene kann etwas sichtbar machen, das sich über reines Nachdenken nur schwer erfassen lässt.

In der Imaginationsarbeit greifen sprachlich-analytisches Denken und bildhaftes, emotionales, körpernahes und sinnliches Erleben ineinander.

Häufig wird dafür vereinfacht von der Einbeziehung beider Gehirnhälften gesprochen. Fachlich genauer ist: Unterschiedliche Formen der Verarbeitung werden miteinander verbunden. Dadurch kann ein Thema auf mehreren Ebenen zugänglich werden – über Worte ebenso wie über Vorstellung, Körperempfindung, Gefühl und innere Erfahrung.

Innere Bilder als Sprache des Unbewussten

Unser inneres Erleben organisiert sich weit über Worte und bewusstes Nachdenken hinaus.

Erinnerungen, Erwartungen, Gefühle und emotionale Bedeutungen können als Bilder, Körperempfindungen, Stimmungen, Bewegungen oder räumliche Eindrücke auftauchen. In einer Imagination bekommen solche Inhalte eine Form, mit der wir arbeiten können.

Bildarbeit eröffnet damit Zugänge, die über rein gedankliche Verarbeitung hinausgehen. Was sich sprachlich nur schwer greifen lässt, kann in einer Szene, einem Symbol oder einer Beziehung zwischen Bildelementen anschaulich werden. Ähnlich wie in Träumen können verschiedene Erfahrungen verdichtet nebeneinander auftauchen und Zusammenhänge sichtbar machen, die der Verstand allein zunächst nicht herstellen würde.

Ihre Bedeutung entsteht ganz aus deinem eigenen Erleben. Gerade diese persönliche Bildsprache kann helfen, mehr von dem wahrzunehmen, was innerlich bereits wirksam ist, und es für den weiteren Prozess zugänglich zu machen.

Dabei wird das Bild nicht von außen gedeutet. Entscheidend ist, welche Bedeutung es für dich selbst hat. Ein verschlossener Raum kann für einen Menschen Schutz bedeuten, für einen anderen Enge. Ein Weg, eine Tür oder eine bestimmte Gestalt erhält seinen Sinn aus deinem eigenen Erleben.

Gerade darin liegt für mich die Stärke dieser Arbeit: Das innere Bild darf zunächst zeigen, was bereits da ist. Daraus können Zusammenhänge verständlicher werden, ohne dass wir sie vorschnell in eine Erklärung pressen.

Wenn Worte nicht reichen, um Vergangenes und Muster zu verstehen

Manche Erfahrungen lassen sich gedanklich gut beschreiben und wirken innerlich trotzdem weiter. Anderes ist kaum als konkrete Erinnerung zugänglich und zeigt sich eher in automatischen Reaktionen, wiederkehrenden Beziehungsmustern, Körperempfindungen, Stimmungen oder einer schwer erklärbaren inneren Erwartung. Gerade frühes Erleben kann auf diese Weise gegenwärtig werden, ohne dass eine klare Geschichte dazu vorhanden sein muss.

Ein Bild kann solche Ebenen miteinander verbinden. Was vorher diffus war, bekommt Kontur. Aus einem schwer greifbaren Gefühl kann ein Ort, eine Bewegung, eine Figur oder eine ganze Szene entstehen. Dadurch werden Zusammenhänge zwischen früherem Erleben, heutigen Erwartungen und automatischen Mustern oft anschaulicher. Im Bild lässt sich anschließend weiterarbeiten: Es kann ergänzt, verändert und um Ressourcen oder neue Handlungsmöglichkeiten erweitert werden.

Lösungen und neue Möglichkeiten im Bild entwickeln

Gedanklich bewegen wir uns häufig innerhalb dessen, was wir bereits kennen und für realistisch halten. Im imaginativen Raum kann der innere Möglichkeitsraum größer werden. Bilder führen an Erfahrungen, Positionen und Lösungen heran, die im gewohnten Denken bislang kaum vorkommen oder die wir uns im eigenen Leben noch wenig erlaubt haben.

Ein inneres Bild kann verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig aufnehmen. Nähe und Schutz, Freiheit und Verbindung, Ruhe und Lebendigkeit können in einer neuen Szene, einem Symbol oder einer räumlichen Anordnung zusammenfinden. Dadurch wird etwas vorstellbar, das vorher nur als vage Sehnsucht, Wunsch oder noch ungenutzte Möglichkeit vorhanden war. Das Bild kann einen ersten Zugang schaffen: So könnte es sich anfühlen. So könnte ich mich darin erleben. So könnte eine andere Reaktion aussehen.

Solche Bilder lassen sich verändern, ergänzen und innerlich erproben. Eine neue Lösung wird damit zunächst als Erfahrung vorbereitet, bevor sie im Alltag umgesetzt wird. Wiederholtes inneres Durchspielen kann passende Wahrnehmungs-, Gefühls- und Handlungsmuster vertrauter machen. Vereinfacht gesprochen unterstützt dieses Wiederholen die Bahnung neuronaler Netzwerke, die an Lernen und neuen Erfahrungen beteiligt sind.

Innere Bilder öffnen die Zukunft

Wir entwerfen fortwährend innere Vorstellungen davon, wie etwas weitergehen könnte. Solche Bilder können uns an Möglichkeiten heranführen, die im gewohnten Denken noch kaum auftauchen. Sie machen eine andere Haltung, eine neue Entscheidung oder einen nächsten Schritt zunächst innerlich vorstellbar und damit erfahrbarer.

Dasselbe Prinzip zeigt sich bei Befürchtungen. Ein bevorstehendes Gespräch kann innerlich schon mehrfach scheitern, bevor es überhaupt stattgefunden hat. Aus einer Unsicherheit entsteht eine ganze Szene, und der Körper reagiert auf dieses vorgestellte Zukunftsbild mitunter bereits mit deutlicher Anspannung. Früh geprägte Erwartungen können unsere Wahrnehmung im Alltag zusätzlich einfärben und dazu führen, dass vertraute Reaktionswege besonders schnell verfügbar werden.

In der Imaginationsarbeit lässt sich diese Kraft von Vorstellungen bewusst nutzen. Wir entwickeln Bilder, die eine Richtung geben und den inneren Möglichkeitsraum erweitern. Dabei entsteht keine festgelegte Zukunft. Vielmehr wird erfahrbar, was ebenfalls möglich sein könnte: anders reagieren, sich schützen, Unterstützung annehmen, den eigenen Platz einnehmen, etwas gestalten oder eine bisher wenig genutzte Fähigkeit einsetzen. Wiederholung kann dazu beitragen, dass solche inneren Möglichkeiten vertrauter und in zukünftigen Situationen leichter verfügbar werden.

Ressourcenbilder: innere Erfahrungen aufbauen

Ressourcenbilder entstehen in meiner Arbeit mit einer klaren Absicht. Vorhandene Ressourcen werden aktiviert, im Bild deutlicher gewichtet und mit dem aktuellen Thema verbunden. Gleichzeitig können Vorstellungen aufgebaut werden, die eine bisher wenig verfügbare Erfahrung zugänglich machen: Schutz, Ruhe, Kraft, Verbundenheit, Abgrenzung, Orientierung, Zugehörigkeit oder eine klare eigene Position. Der Ausgangspunkt kann ein sicherer innerer Ort sein, ebenso eine Person, ein Tier, eine Landschaft, eine Farbe, eine Bewegung oder ein Symbol, das die gewünschte Qualität trägt.

Die Intervention bekommt dabei eine Richtung. Wir orientieren uns daran, welche innere Erfahrung im jeweiligen Prozess gebraucht wird und welche Ressource dafür bereits vorhanden ist oder aufgebaut werden soll. Ein Bild kann Bestehendes verstärken, neu miteinander verbinden und zugleich etwas ergänzen, das bisher gefehlt hat. So wird aus einer Vorstellung eine innere Erfahrung, die im weiteren Verlauf wieder aufgegriffen, verändert und gefestigt werden kann.

Dabei können mehrere Sinne und das Körpererleben einbezogen werden. Farben, Formen, Geräusche, Bewegung, Berührung, Temperatur, räumliche Eindrücke oder ein bestimmtes Körpergefühl vertiefen die Vorstellung. Entscheidend ist die innere Erfahrung, die daraus entsteht: Eine Ressource wird nicht nur gedacht, sondern bekommt eine spürbare Form und kann durch Wiederholung zunehmend vertraut und verfügbar werden.

Ressourcen bekommen dabei noch eine weitere wichtige Funktion: Sie schaffen ein erreichbares Wohin. Bei Belastung reicht es häufig nicht, nur zu wissen, wovon man sich lösen oder aus welchem Zustand man herauskommen möchte. Es braucht eine innere Alternative, die leicht verfügbar ist und wiederholt aufgesucht werden kann. Ein Ressourcenbild kann genau dieses Gegenangebot zur Belastung bereitstellen – als Erfahrung von Sicherheit, Halt, Orientierung, Handlungsfähigkeit, Verbindung oder einer anderen Qualität, die im jeweiligen Moment trägt.

Durch wiederholtes Üben kann die Aufmerksamkeit lernen, zwischen Belastung und Ressource zu pendeln. Das Schwierige bleibt wahrnehmbar, während gleichzeitig etwas Unterstützendes verfügbar wird. So entsteht mehr Beweglichkeit im inneren Erleben: Aus einer belastenden Aktivierung heraustreten, sich einer Ressource zuwenden und anschließend wieder wahrnehmen, was jetzt möglich ist. Gerade dieses Wechseln kann helfen, Belastung nicht zum einzigen inneren Bezugspunkt werden zu lassen.

Die Wiederholung im Hier und Jetzt ist deshalb ein wesentlicher Teil der Arbeit. Das Ressourcenbild wird nicht nur einmal entwickelt, sondern kann selbstständig wieder aufgerufen und trainiert werden. Damit verbindet sich immer wieder dieselbe Erfahrung: die eigene Aufmerksamkeit gezielt lenken zu können und handlungsfähig zu bleiben, auch wenn gerade viel los ist. Aus einer vorgestellten Ressource kann so zunehmend eine vertraute innere Möglichkeit werden, auf die auch in belastenden Situationen leichter zurückgegriffen werden kann.

Selbstwirksamkeit: wählen, gestalten und sich orientieren

Imaginative Arbeit kann einen inneren Erfahrungsraum eröffnen, in dem eigener Wille, Wahlmöglichkeiten und Orientierung mehr Platz bekommen. Du kannst erproben, wie es sich anfühlt, den eigenen Platz einzunehmen, eine Grenze zu setzen, Unterstützung anzunehmen, eine Entscheidung zu treffen oder einer eigenen Vorstellung zu folgen. Gerade wenn das eigene Erleben lange stark an Erwartungen anderer ausgerichtet war, kann dieser innere Raum eine neue Erfahrung von Selbstwirksamkeit ermöglichen.

Damit entsteht ein gezielt gestalteter Erfahrungsraum. Im Bild kannst du wählen, verändern, ausprobieren und wahrnehmen, was zu dir passt. Selbstwirksamkeit bedeutet hier auch: Ich kann mich orientieren. Ich kann entscheiden. Ich kann Einfluss nehmen. Ich kann meine Bedürfnisse wahrnehmen und meinem eigenen Erleben eine Richtung geben.

Diese Form der Bildarbeit kann zugleich eine Einladung zu eigenem Ausdruck und Entfaltung sein. Wenn Erwartungen von außen für einen Moment zurücktreten, können eigene Bewegungen, Haltungen, Farben, Formen und Szenen deutlicher werden. Andere Bilder führen an Möglichkeiten heran, die bisher kaum genutzt wurden. Durch Wiederholung werden solche Erfahrungen vertrauter und können später leichter in konkrete Entscheidungen und Handlungen einfließen.

Eine neue innere Wirklichkeit wird erfahrbar

Imaginationen schaffen einen inneren Raum, in dem Wahrnehmung, Gefühl, Körpererleben und Vorstellung zusammenkommen. Darin kann eine neue innere Wirklichkeit erfahrbar werden – als Erfahrungsfeld mit Bedingungen, die bisher gefehlt haben, ergänzend zur äußeren Realität. Sicherheit, Schutz, Zugehörigkeit, Freiheit, Ermutigung oder die Erlaubnis, ganz man selbst zu sein, können eine konkrete innere Form bekommen.

Dieser Erfahrungsraum bietet Platz für Selbstkompetenz, Selbstwirksamkeit und eigenen Ausdruck. Vorstellungen dürfen Form annehmen, neue Möglichkeiten können erprobt und unterstützende Erfahrungen wiederholt werden. Dadurch entsteht eine innere Referenz dafür, wie sich etwas anderes anfühlen könnte. Das kann Orientierung geben und den Zugang zu Möglichkeiten erweitern, die im bisherigen Leben wenig unterstützt oder kaum genutzt wurden.

Innere Kindarbeit und nachträglich nährende Erfahrungen

In der inneren Kindarbeit kann besonders deutlich werden, wie verschieden die Möglichkeiten des damaligen Kindes und des heutigen Erwachsenen sind. Ein Kind war in vielen Situationen tatsächlich abhängig und verfügte nur über begrenzte Möglichkeiten, sich zu schützen, Bedürfnisse zu erfüllen oder eine belastende Situation zu verändern. Das erwachsene Ich verfügt heute über Kompetenzen, Wahlmöglichkeiten, Grenzen, Sprache, Unterstützung und Handlungsspielraum, die damals noch nicht vorhanden waren.

In der Bildarbeit können diese beiden Ebenen miteinander in Kontakt kommen. Der kindliche Anteil muss die damalige Situation nicht allein bewältigen. Das erwachsene Ich kann hinzukommen, wahrnehmen, verstehen, schützen, versorgen und entscheiden. Zusätzliche Ressourcen können diesen Kontakt unterstützen.

So entsteht ein neuer innerer Erfahrungsraum: Das frühere Erleben wird ernst genommen und zugleich mit den Möglichkeiten des Hier und Jetzt verbunden. Aus einem alten Gefühl von Ohnmacht kann die Erfahrung entstehen, heute handeln zu können. Aus fehlender Versorgung kann die Fähigkeit entstehen, Bedürfnisse wahrzunehmen und für sie einzutreten. Aus dem Gefühl, keinen Platz zu haben, kann die Erfahrung werden: Ich darf da sein, mich ausdrücken und wirken.

Hier fließen Elemente aus Innerer-Kind-Arbeit , Ego-State-Arbeit und Teilearbeit ein. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Vorstellung voneinander getrennter Persönlichkeiten. Gemeint sind unterschiedliche innere Zustände, Bedürfnisse, Erfahrungen und Schutzstrategien. Im Bild können wir einem kindlichen Anteil, der damals nur begrenzte Möglichkeiten hatte, die Kompetenzen des heutigen Erwachsenen zur Seite stellen.

Im imaginativen Raum lässt sich erkunden, was ein verletzlicher oder schützender Anteil braucht, welche Ressourcen bereits vorhanden sind und wie das erwachsene Ich heute Schutz, Orientierung und Versorgung übernehmen kann. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen dem damaligen Erleben und den heutigen Möglichkeiten: Ich bin im Hier und Jetzt. Ich kann heute für mich sorgen. Ich kann Bedürfnisse wahrnehmen, Grenzen gestalten, Unterstützung wählen und Einfluss nehmen.

Diese Arbeit kann nachträglich nährende Erfahrungen ermöglichen. Im Bild kann Raum für Kernbedürfnisse entstehen, die früher zu wenig beantwortet wurden: gesehen und verstanden werden, emotional verstanden und gehalten werden, Schutz und Zugehörigkeit erleben, man selbst sein dürfen, geliebt und angenommen sein ohne leisten zu müssen, Freiheit und Entfaltung erfahren sowie Erlaubnis und Ermutigung bekommen. Diese Erfahrungen werden nicht nur benannt, sondern in einer inneren Szene möglichst konkret zugänglich gemacht.

Das erwachsene Ich bleibt dabei ein wichtiger Bezugspunkt. Es kann dem jüngeren Erleben heute etwas zur Verfügung stellen: Aufmerksamkeit, Schutz, Grenzen, Trost, Orientierung, Entscheidungskraft und die Möglichkeit, Bedürfnisse wahrzunehmen und für sie zu sorgen. So verbindet sich das, was damals gefehlt hat, mit den Kompetenzen und Ressourcen, die heute vorhanden sind.

Gerade darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen dem damaligen Erleben und dem Hier und Jetzt. Der kindliche Anteil war auf andere angewiesen; das erwachsene Ich kann heute wählen, Unterstützung suchen, sich abgrenzen, handeln und gestalten. In der Imagination können beide Ebenen miteinander verbunden werden, sodass aus einem alten inneren Muster eine neue, gegenwartsbezogene Erfahrung entstehen kann.

Erweiterte Ressourcen können diesen Prozess zusätzlich tragen. Eine unterstützende Person, ein sicherer Ort, eine schützende Grenze, Kraft, Wärme, Abstand oder eine ganz eigene symbolische Ressource können in das Bild aufgenommen werden. So entsteht eine innere Szene mit Bedingungen, die Entwicklung ermöglichen und dem erwachsenen Ich vermitteln: Ich darf hinspüren. Ich darf da sein. Ich kann für mich eintreten und etwas bewirken.

Der innere Erfahrungsraum wird damit zu einer Art Reise zwischen früherem Erleben und heutiger Kompetenz. Wir schaffen eine neue innere Wirklichkeit im Hier und Jetzt, in der andere Erfahrungen, Reaktionen und Möglichkeiten Platz bekommen. Gerade wenn alte Erfahrungen die Wahrnehmung aktueller Situationen stark prägen, kann ein solches Gegenüberstellen helfen, Vergangenes und Gegenwärtiges klarer zu unterscheiden.

Wiederholte Imaginationen können diese neue Erfahrung festigen. Was zunächst ungewohnt wirkt, bekommt mehr innere Vertrautheit: für sich sorgen, den eigenen Raum einnehmen, Bedürfnisse ernst nehmen, Schutz organisieren, Unterstützung zulassen und die eigene Wirksamkeit erleben. So verbindet die innere Kindarbeit Ressourcenaufbau mit Selbstkompetenz und der Erfahrung, heute über Möglichkeiten zu verfügen, die dem Kind damals noch nicht offenstanden.

Alte Muster in inneren Bildern verändern

Automatische Muster zeigen sich häufig nicht nur in Gedanken, sondern auch in inneren Szenen und Erwartungen: eine erwartete Zurückweisung, das Gefühl, keinen Platz zu haben, eine unsichtbare Grenze, der Impuls zum Rückzug oder die Vorstellung, immer wieder am selben Punkt zu landen. Solche Bilder können Ausdruck früher gelernter Schutz- und Beziehungsmuster sein.

In der Bildarbeit können solche Szenen sichtbar, verständlicher und veränderbar werden. Eine neue Ressource, eine Grenze, Unterstützung, eine andere Position oder die Präsenz des erwachsenen Ichs kann die Szene erweitern. Dadurch wird eine Reaktionsmöglichkeit erfahrbar, die im automatischen Muster bisher kaum zur Verfügung stand.

Wenn sich deine Fragen vor allem um Nähe, Rückzug, Vertrauen, Verlustangst oder wiederkehrende Beziehungserfahrungen drehen, findest du die fachliche Vertiefung unter Bindungsangst und Bindungsmuster.

Frühe Erfahrungen im Hier und Jetzt neu einordnen

Innere Bilder können auch dort hilfreich sein, wo frühe Erfahrungen vor allem als Anspannung, Wachsamkeit, Erstarren oder innere Distanz spürbar werden. Ressourcenbilder, Orientierung im Hier und Jetzt und unterstützende Vorstellungen können dazu beitragen, das eigene Erleben differenzierter wahrzunehmen und neue innere Erfahrungen aufzubauen.

Die Zusammenhänge zwischen frühen Beziehungserfahrungen, Schutzreaktionen und Regulation beschreibe ich ausführlicher unter Bindungstrauma, Kindheitstrauma und Nervensystem.

Wie ich mit Imaginationsarbeit arbeite

Eine Imagination entsteht im Dialog und hat zugleich eine klare fachliche Richtung. Je nach Anliegen gebe ich einen gezielten Bildimpuls oder entwickle mit dir eine Bildintervention, die auf eine bestimmte Erfahrung ausgerichtet ist. Wir schauen, was zunächst sichtbar oder spürbar wird, welche Bedeutung darin liegt und welche nächste Erfahrung sinnvoll anschließen kann. So entsteht eine nachvollziehbare Abfolge: wahrnehmen, verstehen, Ressourcen ergänzen, eine neue Möglichkeit im Bild entwickeln und diese durch Wiederholung vertrauter machen.

Ich verbinde diese Arbeit je nach Anliegen mit Ressourcenarbeit, Ego-State - und Teilearbeit sowie EMDR in ressourcenfokussierter und bindungsorientierter Ausrichtung. Bildinterventionen können den eigenen Ressourcenpool erweitern, einer starken Belastung eine tragfähige Erfahrung gegenüberstellen, Selbstwirksamkeit fördern, neue innere Lösungen vorbereiten oder konkrete Reaktionsweisen im Vorstellungsraum trainieren.

Damit endet die Arbeit nicht beim einmaligen Bild. Manche Imaginationen werden bewusst wiederholt, sinnlich vertieft und weiterentwickelt. Durch dieses wiederholte innere Erleben können neue Verknüpfungen und Reaktionsmöglichkeiten leichter verfügbar werden. Vereinfacht gesprochen unterstützen Wiederholung und Training die Bahnung der beteiligten neuronalen Netzwerke. Die Imagination wird so zu einem Erfahrungs- und Übungsraum, in dem Ressourcen, Selbstkompetenz und neue Handlungsmöglichkeiten zunehmend vertraut werden.

Fachlicher Hintergrund: medizinisch-klinische Hypnose und Milton H. Erickson

Meine Arbeit mit Imagination gründet unter anderem auf meiner langjährigen Ausbildung in medizinisch-klinischer Hypnose am IRC-Institut in Hamburg und auf Ansätzen nach Milton H. Erickson. Dort habe ich fundiert mit inneren Bildern, Tranceprozessen, Ressourcenaktivierung und lösungsorientierten Vorstellungsinterventionen gearbeitet. Dieses Wissen prägt bis heute, wie ich Bildinterventionen auswähle, aufbaue, sinnlich vertiefe und in einen größeren Prozess einbette.

Auf der schwedischen Website steht die Imaginationsarbeit im Rahmen von Coaching und persönlicher Entwicklung im Mittelpunkt. Die Ausbildung in medizinisch-klinischer Hypnose bildet dafür einen wesentlichen fachlichen Hintergrund. Sie ermöglicht mir, innere Bilder gezielt für Ressourcenaufbau, neue Erfahrungsräume, die Vorbereitung von Lösungsprozessen und wiederholtes inneres Training einzusetzen. Die Seite beschreibt kein eigenständiges Angebot zur Behandlung von Erkrankungen.

Mehr über meinen beruflichen Weg und meine weiteren Qualifikationen findest du unter Über mich.

Imaginationsarbeit in Stockholm und online in Schweden

Die Arbeit mit inneren Bildern ist sowohl im persönlichen Gespräch als auch online möglich. Entscheidend ist ein Rahmen, in dem du dich auf deine Wahrnehmung konzentrieren und den entstehenden Bildern Zeit geben kannst.

Für persönliche Sitzungen findest du die organisatorischen Informationen unter Deutschsprachiges Coaching in Stockholm.

Wenn du an einem anderen Ort in Schweden lebst oder online arbeiten möchtest, findest du die Möglichkeiten unter Online-Coaching auf Deutsch in Schweden.

Häufige Fragen zu Imaginationsarbeit und inneren Bildern

Was ist Imaginationsarbeit?

Imaginationsarbeit nutzt innere Bilder und Vorstellungen, um Gefühle, Bedürfnisse, Ressourcen, Konflikte oder mögliche Lösungen erfahrbar zu machen. Sie verbindet sprachliche Reflexion mit bildhaftem, emotionalem und körpernahem Erleben.

Muss ich besonders gut visualisieren können?

Nein. Innere Wahrnehmung kann sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen sehen klare Bilder, andere erleben eher Farben, Körperempfindungen, Bewegungsimpulse, Gedanken oder ein Wissen darum, wie etwas aussieht. Wir arbeiten mit der Form, in der dein Erleben zugänglich wird.

Sind innere Bilder die Sprache des Unbewussten?

Der Ausdruck beschreibt anschaulich, dass innere Vorgänge manchmal eher bildhaft als sprachlich zugänglich werden. Bilder können unbewusste oder noch wenig bewusste Zusammenhänge ausdrücken. Ihre Bedeutung wird dabei gemeinsam aus deinem persönlichen Erleben heraus verstanden, nicht schematisch gedeutet.

Kann Imaginationsarbeit helfen, neue Lösungen zu entwickeln?

Im imaginativen Raum lassen sich Möglichkeiten darstellen und erproben, die gedanklich zunächst schwer vorstellbar sind. Unterschiedliche Bedürfnisse können in einem Bild zusammengeführt, Ressourcen ergänzt und neue Szenen entwickelt werden. Bilder können dadurch an bisher wenig genutzte Möglichkeiten heranführen und Impulse für konkrete nächste Schritte geben.

Wie können innere Bilder neue Möglichkeiten und Zukunftsbilder vorbereiten?

Vorstellungen können Aufmerksamkeit, Gefühle und körperliche Reaktionen beeinflussen. Unterstützende Bilder machen Erfahrungen und Zukunftsmöglichkeiten vorstellbar, die bisher wenig Raum hatten, und können durch Wiederholung vertrauter werden. Dadurch lassen sich neue Reaktionsweisen zunächst innerlich erproben und später leichter in konkrete Situationen übertragen.

Warum werden in der Imaginationsarbeit mehrere Sinne einbezogen?

Eine Vorstellung wird häufig lebendiger, wenn neben dem visuellen Bild auch Geräusche, Bewegung, räumliche Wahrnehmung, Berührung oder Körperempfindungen einbezogen werden. So kann aus einer gedanklichen Vorstellung eine reichere innere Erfahrung werden, die sich gezielter wiederholen und verankern lässt.

Was haben Inneres Kind, Ego-State-Arbeit und Teilearbeit mit Imagination zu tun?

Innere Zustände und Anteile lassen sich häufig gut über Bilder wahrnehmen. In der inneren Kindarbeit kann ein jüngerer Anteil mit den heutigen Kompetenzen des erwachsenen Ichs und mit zusätzlichen Ressourcen verbunden werden. Dadurch können nachträglich nährende Erfahrungen entstehen: Schutz, Versorgung, Ausdruck, Grenzen, Unterstützung und die Erfahrung, im Hier und Jetzt selbst wirksam handeln zu können.

Termin anfragen

Wenn du erleben möchtest, wie innere Bilder einen neuen Zugang zu einem Thema eröffnen können, kannst du einen Termin für eine persönliche Sitzung in Stockholm oder online in Schweden anfragen.